Kasachstan war schon eine ganze Weile auf meiner gedanklichen Liste der Länder, die ich schon immer mal bereisen wollte. So konnte ich mir unter anderem auf der ITB (Internationale Tourismus-Börse) in Berlin im Jahr 2019 einen verstärken Eindruck davon verschaffen, was Land und Kultur zu bieten haben. Generell ist die Region Zentralasien, welche größtenteils aus den sog. „Stan-Staaten“ besteht, landschaftlich und kulturell äußerst vielfältig. Zudem stehen diese Länder aktuell noch nicht so stark im Fokus des internationalen Tourismus.
Kasachstan und auch seinen Bewohnern selbst merkt man an, dass man sehr bemüht ist, den passenden Weg zwischen „Ost“ und „West“ zu finden. Als Ex-Sowjetrepublik und mit einem nicht unerheblichen Anteil russischer Bevölkerung (und einer über 7600 km langen Grenze) ist man natürlich an guten Beziehungen zu Russland interessiert, wenngleich man spätestens seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine einen starken Wert darauf legt, „neutral“ zu sein – anders als etwa Belarus/Weißrussland. Als größtes und auch wirtschaftlich am stärksten entwickeltes Land in der Region ist Kasachstan durchaus ein wichtiger Bezugspunkt für seine südlichen Nachbarn, insbesondere im Hinblick auf das Verhältnis zu Russland und China. Eine Bewertung der Demokratie und Freiheitsrechte nach westlichem Standard würde zwar nicht sonderlich gut ausfallen, dies gilt jedoch leider für viele (Urlaubs-)Länder weltweit. Nichtsdestotrotz kann man in Kasachstan durchaus positive Entwicklungen feststellen, wie etwa bei der Abschaffung der Todesstrafe, der Korruptionsbekämpfung, oder allgemeiner nachzulesen beim Auswärtigen Amt. Auch der Wechsel des Alphabets kann als Annäherung an den Westen gewertet werden. Als Reiseland ist Kasachstan grundsätzlich gut geeignet. Wir haben uns zu jeder Zeit sicher gefühlt und alle Menschen, die wir getroffen haben, waren – der Sprachbarriere zum Trotz – sehr freundlich und hilfsbereit. Noch ein ganz anderes Thema: Habe ich schon erwähnt, dass ich die Flagge Kasachstans für eine der schönsten der Welt halte? Mit der goldenen Sonne, dem Adler, sowie den Ornamenten auf hellblauem Grund ist die Flagge definitiv unverwechselbar und sticht aus jeder Auflistung hervor.
Nun aber zur eigentlichen Reise: Im Jahr 2023 war es endlich so weit, im September ging es nach Kasachstan. Die beste Reisezeit ist, je nach Angabe, von Mai bis September, wobei es im Sommer auch mal ziemlich heiß werden kann. Durch das kontinentale Klima sind Reisen im Winter eher nicht zu empfehlen, zweitstellige Minustemperaturen sind keine Seltenheit. Durch ein günstiges Angebot ging es in der Business-Class nach Astana, welches damit Start- und Endpunkt unserer Reise sein sollte. Das heutige Astana ist sehr modern, es ist im Wesentlichen eine „Planstadt“. Das Wachstum setzte erst ein, als Astana im Jahr 1997 zur neuen Hauptstadt ernannt wurde. Der ein oder andere wird Astana auch noch unter dem Namen „Nur-Sultan“ kennen, dies war die offizielle Bezeichnung zwischen 2019 und 2022. Der Name wurde zunächst zu Ehren des langjährigen Präsidenten Nursultan Nasarbajew vergeben, im Zuge einer Verfassungsänderung wieder rückgängig gemacht. Astana bedeutet im Kasachischen übrigens „Hauptstadt“.
Eines der Dinge, welches uns am meisten beindruck hat, ist wie – im Gegensatz zu anderen modernen Städten – städtebaulich durchdacht die verschiedenen Bauwerke miteinander verbunden sind. So besteht eine kilometerlange Achse mehrerer wichtiger Gebäude, welche wir auch so „ablaufen“ konnten. Je nachdem, wo man startet, geht es mit dem „Khan Shatyr“ los. Dieses Gebäude ist ein riesiges „Zelt“, welches u.a. ein Shoppingcenter beinhaltet. Direkt davor liegt der „Lovers Park“ mit Wasserspielen, kleineren Statuen und viel Grün.
Generell sind in der Innenstadt viele Grünflächen zu finden; hier hat man mitgedacht, um keine typische Betonwüste zu schaffen. Von hier aus ging es den Nurzhol Boulevard entlang nach Osten in Richtung des Bajterek-Turms, eines der Wahrzeichen der Stadt. Auch auf diesem Weg findet man aufwändig angelegte Blumenbeete, welche den grauen Herbsttag etwas verschönerten. Auf den Turm kann man für ein paar tausend kasachische Tenge (1 € ~ 500 KZT) mit dem Aufzug hinauffahren, was wir gerne nutzen. Generell hab ich die Eintrittspreise in Kasachstan als durchaus fair empfunden. Es gibt keine „Abzocke“ durch höhere Preise für Ausländer, wie wir es anderswo leider schon häufiger erlebt hatten (am extremsten in der Türkei). Von oben aus konnte man die eingangs beschriebene Achse in beide Richtungen betrachten. Die Fotos sind durch die golden getönten Scheiben leider nicht so gut geworden, der Ausblick lohnt sich dennoch allemal. Oben gibt es zudem ein kleines Café sowie den Handabdruck des ehemaligen Präsidenten Nursultan Nasarbajew. Hier bildete sich eine Schlange Einheimischer, die Ihre Hände in den Abdruck legen wollten. Wir verzichteten darauf und bewegten uns weiter in Richtung des Präsidentenpalasts.
Bereits vom Bajterek-Turm aus kann man den Präsidentenpalast erkennen. Ein weißes Gebäude mit blauer Kuppel, umgeben von Grün und direkt am Wasser. Das Gelände selbst ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Den aufziehenden Regen nutzen wir nach einen Fotostopp an der Nur-Astana-Moschee für eine Stärkung in einem nahegelegenen Café.
Auf der anderen Seite des Flusses Jessil findet sich, in einem Park gelegen, die Pyramide des Friedens und der Eintracht.
Wir hatten Glück und hatten den richtigen Zeitpunkt für unseren Besuch erwischt. Direkt nach dem Eingang wurden wir abgefangen und gefragt, ob wir nicht auch an einer englischsprachigen Tour durch das Objekt teilnehmen wollten. Das Angebot nahmen wir gerne in Anspruch und gemeinsam mit einer kleinen Gruppe konnten wir so noch ein paar zusätzliche Informationen über das Bauwerk erfahren. Im Inneren befindet sich neben einer kleinen Museumsausstellung auch ein Opernsaal, in welchem 1.500 Menschen Platz finden können. Nach einer Fahrt mit einem schräg fahrendem Aufzug geht man in Richtung der Spitze an „grünen Wänden“ entlang, auf welchen man echte und unechte Pflanzen bestaunen kann. Oben angekommen wartet an riesiger runder Tisch, den dem die alle drei Jahre stattfindenden Treffen des Congress of Leaders of World and Traditional Religions abgehalten werden. Im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe sieht sich Kasachstan wieder als Vermittler zwischen den Regionen und Religionen der Welt. Durch die Führung erfuhren wir, dass separater Aufzug mit direktem Zugang zum Besprechungsbereich existiert, den der ehemalige kasachische Präsident gerne für seine Auftritte nutze. Durch die vielen bemalten Glasfenster wirkt der Bereich sehr hell und man fühlt sich tatsächlich dem Himmel ein bisschen näher. Architektonisch meiner Meinung nach sehr gelungen.
Wieder draußen angelangt liefen wir ein wenig durch den Park in Richtung Wasser. Auch die Pyramide liegt – als Verlängerung – auf der eingangs beschriebenen Achse, sodass wir am Fluss Jessil angekommen auch den Präsidentenpalast noch von der anderen Seite anschauen konnten.
Eine weitere besondere Sehenswürdigkeit Astanas ist die große Moschee, welche im Jahr 2022 fertiggestellt wurde. Der Name ist dabei Programm, ich selbst habe noch keine größere gesehen. Alleine die drumherum hergerichtete Infrastruktur aus Zufahrten und Parkplätzen erinnert eher an ein riesiges Fußballstadion. Inklusive Außenbereich können bis zu 235.000 Gläubige Platz finden, womit diese Moschee nicht nur die größte in Zentralasien ist, sondern auch die siebtgrößte auf der Welt.
Von der Moschee aus ging es zum Abendessen wieder in die Innenstadt. Ebenfalls positiv zu erwähnen ist die Art der Beleuchtung der Gebäude am Abend. In vielen Städten wird hierbei durchaus übertrieben viel „Bling Bling“ zur Schau gestellt, in Astana habe ich die Beleuchtung als eher zurückhaltend aber stilvoll wahrgenommen, wie z.B. an folgendem Gebäude zu erkennen ist:
Nach insgesamt drei Nächten in Astana und vielen Eindrücken des modernen Kasachstans im Gepäck ging es mit dem Flugzeug nach Aktau ans Kaspische Meer, wo ganz andere Erfahrungen auf uns warten sollten.












